Standpunkt Bau: Entsorgung

Zu wertvoll für die Deponie

Eine Kolumne von Torsten Schinkel

Die Energiewende begleitet uns täglich mit immer neuen Meldungen. Sei es zu neuen Stromtrassen, alten Kohlekraftwerken oder Förderprogrammen der Bundesregierung. Für uns Bauschaffende ist dieses Thema seit der ersten Ölkrise in den 70er Jahren und den diversen Wärmeschutz- und Energiesparverordnungen der Folgejahre eigentlich nicht wirklich neu und ein ständiger Begleiter im Berufsalltag. Auf den Punkt gebracht geht es bei all diesen Maßnahmen um den möglichst effizienten Einsatz von Rohstoffen zum Schutz unserer Umwelt.

In Deutschland werden etwa 90% aller verwendeten mineralischen Rohstoffe für die Herstellung von Baustoffen eingesetzt! Damit ist unsere Baubranche laut Deutsche Bundesstiftung Umwelt der größte Rohstoffverbraucher. Die Rohstoffe werden der Umwelt entnommen, sind aber nicht unbegrenzt vorhanden. Weltweit benötigt der Bausektor 40% aller vorhandenen Ressourcen! Dies zeigt, dass jeder von uns am Bau großen Einfluss darauf hat, in welcher Umwelt wir und unsere nachfolgenden Generationen leben.

Neben guter Architektur und energetischer Optimierung der Gebäudehülle ist der Einsatz von recycelten Baustoffen mehr als notwendig. Ohne die Kreislaufwirtschaft wären die Stoffe unwiederbringlich verloren. Durch die Wiederaufbereitung von Bauabfällen zu neuen Baustoffen und durch die Wiederverwendung werden die Rohstoffquellen geschont und für die Zukunft verfügbar gehalten.

Bauabfälle sind zu wertvoll für die Deponie! Aber wer entscheidet über den Einsatz von Recycling-Baustoffen? Die Politik ist gerade dabei, die rechtlichen Rahmenbedingungen neu zu ordnen. Architekten entscheiden über den Einsatz eines Baustoffes. Sie können bei Planung und Ausschreibung die Weichen für den Einsatz aufbereiteter Baustoffe stellen. Außerdem ist die Industrie gefordert, mit technischem Know-how hochwertige Recycling-Baustoffe herzustellen.
Heute wird in erster Linie Downcycling betrieben. Also die Verwertung nach unten, der Einsatz des Baustoffes in einer weniger wertvollen Nachnutzung. Wir müssen aber die echten Kreisläufe schaffen. So wie es uns die Natur vormacht. Es gibt keinen Müll, alles wird in der Natur in ewigen Kreisläufen wiederverwendet. Im Bauwesen sind wir davon leider noch weit entfernt. Es gibt aber vielversprechende Ansätze.

So erarbeiten wir beispielsweise bei Xella Zukunftsstrategien zur Rückführung von Porenbeton-Resten in die Produktion. Altporenbeton wird von Recyclinganlagen angenommen und zu einem weitgehend sortenreinen Sekundärrohstoff sortiert und zerkleinert. Nach der Analyse wird der Splitt in der Produktion verwendet. Unsere Forschung hat belegt, dass die Produktion von hochwertigem Porenbeton mit Recycling-Splitt problemlos möglich ist.

Xella hat schon heute ein Entsorgungssystem für Ytong Verschnittreste aufgebaut. Statt die Abfälle für teures Geld auf der Deponie zu entsorgen, können sortenreine Reste in Ytong bzw. Multipor Big Bags gesammelt werden. Die vollen Sammelbehälter werden dann einfach beim nächsten Ytong Werk abgegeben und die Reste wiederverwendet. Der Kreislauf schließt sich!

Es fehlen noch Betreiber von Recyclinganlagen zur Aufbereitung. Aber vor allem fehlen vielen Akteuren im Bauwesen das Wissen und der Wille, mehr Recycling-Baustoffe zu verwenden. Hieran gilt es zu arbeiten, um den Weg zu echten Kreisläufen zu ebnen. So wie die Natur es uns vormacht! Um für unsere Kinder eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen!

Es gilt an echten Kreisläufen zu arbeiten, wie die Natur es uns vormacht.
Bauabfälle sind zu wertvoll für die Deponie
Xella arbeitet an Strategien zur Rückführung von Porenbeton Resten.
Sortenreine Ytong bzw. Multipor Reste können in Big Bags gesammelt werden.
Die vollen Sammelbehälter können einfach im nächsten Werk abgegeben werden, wo sie wiederverwertet werden.
Es gibt vielversprechende Ansätze zum Recycling von Baustoffen

Weiterführende Infos

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Kommentare

Pia Grund-Ludwig aus Tübingen, EnBauSa.de:

"Das Thema Recycling ist wichtig, zentraler aber finde ich eine Herangehensweise, die den kompletten Lebenszyklus eines Produkts betrachtet und bewertet: Wo kommen die Rohstoffe her, unter welchen Bedingungen entstehen sie, welcher Energieaufwand steckt drin bis zum Produkt und zu seiner Entsorgung, aber auch die Frage nach den Preisen, betrachtet über den Lebenszyklus (kann damit bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden)"

Antwort Torsten Schinkel:

"Der Hinweis zum kompletten Lebenszyklus von Ytong Porenbetons ist sehr gut und rundet meine Kolumne ab. Teilbereiche der angesprochenen Themenfelder finden sich in unserer Umweltproduktdeklaration (EPD) sowie in unserem Nachhaltigkeitsbericht 2014, der durch unseren Recyclingansatz ergänzt wird.

Auch das Thema bezahlbarer Wohnraum wird, gerade in den Ballungszentren immer wichtiger (mehr dazu in unserer Broschüre Mehrgeschossbau). Bei der Erstellung als auch in der Langzeitbetrachtung ist zur Erreichung dieses Ziels hochwärmedämmendes massives Mauerwerk aus Ytong Porenbeton sehr gut geeignet (siehe dazu Ytong Silka Baubuch Seite 51). Insbesondere in der Nutzungsphase hat massives Mauerwerk großes Potential im Vergleich zu billig ausgeführten Konstruktionen mit Zusatzdämmung. Hierzu finden Sie auch interessante Infos bei der DGFM."