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356

Bautechnologie

Statik

Bemessung von Ausfachungswänden

Bemessung von Mauerwerk in Erdbebengebieten

5.1

5.1.3

5.1.4

Anschlüsse an angrenzende Bauteile

Die Ausfachungsflächen erhalten ihre Standsicherheit erst

durch Anschlüsse an die Tragkonstruktion. Neben den äußeren

Lasteinwirkungen müssen Ausfachungswände auch Einflüsse

aus Formänderungen der angrenzenden Konstruktion auf­

nehmen. In Abhängigkeit von den Anforderungen können die

Anschlüsse starr oder gleitend ausgeführt werden (bildliche

Darstellung siehe auch Kapitel 5.1.2 „Bemessung von nicht

tragenden inneren Trennwänden aus Mauerwerk“, Abb. 3–7).

Starre Anschlüsse

Der starre Anschluss z. B. durch Stahleinlagen, Vermörte-

lungen, Verzahnungen usw. sollte angewendet werden, wenn

keine großen Zwängungen und Formänderungen aus der

Wand oder der angrenzenden Tragkonstruktion zu erwarten

sind. Der starre Anschluss bleibt weitgehend auf kleine Aus­

fachungsflächen beschränkt.

Gleitende Anschlüsse

Gleitende Anschlüsse, seitlich oder oben, werden z.B. durch Nuten oder Stahlprofile hergestellt, die mit Mineralfaserstreifen hinter-

füllt und eventuell an den Reibungsflächen mit Gleitschichten ausgestattet sind.

Beim Anschluss an Stahlbetonstützen kann das Mauerwerk mit Hilfe von Maueranschlussankern verankert werden. Der Maueran-

schlussanker, als preiswertes und tragfähiges Bauteil, übernimmt einerseits die notwendige Querkraftübertragung (2,5 kN je An-

ker) und lässt andererseits Gebäudebewegungen sowie Zwängungen aus Temperaturbelastungen und Schwindspannungen zu.

Maueranschlussanker werden vollflächig in Dünnbettmörtel eingebettet.

Beim Anschluss an Stahlstützen sollten die lichten Maße der Stützenprofile passend zu den Steinbreiten gewählt werden. Mineralfa-

sereinlagen zwischen der Vermörtelung und dem Steg des Stahlprofils ermöglichen eine freie Beweglichkeit der Ausfachungsfläche.

Abb. 1: Seitenverhältnisse von Ausfachungsflächen

l

i

h

i

l

i

≥ h

i

: ε = l

i 

/h

i

l

i

< h

i

: ε = h

i 

/l

i

Bemessung von Mauerwerk in Erdbebengebieten

Bemessung nach Eurocode 8

Der Eurocode 8 (EC 8) ist als europäische Erdbebennorm konzipiert und soll langfristig die nationalen Normen ersetzen – in

Deutschland die DIN 4149. Er beruht auf dem aktuellen Stand der Forschung und enthält umfangreiche Regelungen, die abhängig

von einer definierten Verschiebungsduktilität für ausreichenden Tragwiderstand sorgen.

Der EC 8 besteht aus sechs Teilen, wobei Teil 1 Grundlagen und Regeln definiert:

Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben:

n

Teil 1: Grundlagen, Erdbebeneinwirkungen und Regeln für Hochbauten

Die Teile 2 bis 6 enthalten besondere Vorschriften für spezielle Bauwerke bzw. Bauteile:

n

Teil 2: für Brücken

n

Teil 3: für Beurteilung und Ertüchtigung von Gebäuden

n

Teil 4: für Silos, Tankbauwerke und Rohrleitungen

n

Teil 5: für Gründungen, Stützbauwerke und geotechnische Aspekte

n

Teil 6: für Türme, Masten und Schornsteine

5.1.4

Prinzipdarstellung