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388

Bautechnologie

Wärmeschutz

Mindestwärmeschutz

Raumklima im Winter und im Sommer

5.2

5.2.4

5.2.5

Wohn- und Arbeitsräume sollten über ein Raumklima verfügen, das den Lebensvorgängen sowie dem Wärmehaushalt des

Menschen angepasst ist. Ob dieser sich wohl und behaglich fühlt, hängt von zahlreichen äußeren Einflussgrößen ab,

die sowohl von Lichtverhältnissen und psychologischen Faktoren als auch von thermischen und hygienischen Bedingungen

bestimmt werden. Diese sind:

n

die Raumlufttemperatur

n

die Oberflächentemperatur der raumumschließenden Flächen

n

die Wärmeableitung durch Fußbodenoberflächen

n

die Luftgeschwindigkeit

n

die relative Feuchte der Raumluft

Bei einer Raumlufttemperatur von 18 bis 22 °C beeinflusst die Luftfeuchtigkeit das Behaglichkeitsempfinden kaum. Auch

Geschwindigkeiten warmer Raumluft unter 0,2 m/s wirken sich nicht nennenswert auf die thermische Behaglichkeit aus. Glei-

ches gilt für Temperaturen der Fußbodenoberfläche von 18 bis 26 °C.

Entscheidenden Einfluss haben jedoch die Raumluft- sowie die mittlere innere Oberflächentemperatur der raumumschließenden

Flächen. Ein behagliches Raumklima ist grundsätzlich dann vorhanden, wenn der Mittelwert dieser Größen 19 bis 20 °C beträgt und

ihre Differenz 2 bis 3 K (°C) nicht überschreitet. Die raumumschließenden Flächen umfassen die Außen- und Innenwände eines

Raums, den Fußboden und die Geschossdecke ebenso wie Möbel, Heizkörper und Fensterflächen. Ihre jeweilige Oberflächentempe-

ratur wird gemäß ihrem Flächenanteil zur mittleren Oberflächentemperatur der raumumschließenden Flächen hinzugerechnet.

Behagliches Raumklima und Energiesparen

Raumlufttemperaturen lassen sich ohne Verlust an thermischer Behaglichkeit senken, indem man die inneren Oberflächentempe-

raturen der raumumschließenden Flächen entsprechend anhebt. Voraussetzung: ein verbesserter Wärmeschutz der Außenwände

und Fensterflächen sowie weitestgehend minimierte Wärmebrücken.

In unseren Breiten beträgt das Jahresmittel der Außentemperaturen etwa + 5 °C. Senkt man während der Heizperiode die Raum-

lufttemperatur um nur 1 K (°C), lassen sich rund 5 bis 6% Heizenergie – und damit Kosten – einsparen. Außerdem sorgt ein verbes-

serter Wärmeschutz von Außenwänden durch raumseitig erhöhte Oberflächentemperaturen der Außenwände für niedrigere Raum-

lufttemperaturen – ohne an Behaglichkeit zu verlieren, dafür aber mit hohem Energieeinsparpotenzial.

Raumklima im Winter und im Sommer

Für die kälteste Oberfläche gilt ein Temperaturfaktor von f

Rsi

0,7. Der f

RSi

-Wert ist ein Maß, um die Sicherheit einer Baukonstruktion

hinsichtlich einer Schimmelbildung anzugeben. Dabei wird von stationären Randbedingungen ausgegangen. Er beschreibt das Verhält-

nis der Temperaturdifferenzen zwischen Wandoberfläche zu Außentemperatur gegenüber der Differenz von Innen- und Außentem-

peratur. Unter der Annahme einer Rauminnentemperatur von 20 °C und einer relativen Luftfeuchte von 50 % ist bei Einhaltung des

Wertes

0,7 gewährleistet, dass die relative Luftfeuchte an der Wandinnenfläche

<

80 % bleibt und somit kein Schimmel entstehen

kann. Ein f

Rsi

-Wert

0,7 entspricht einer Temperatur von

θ

si

12,6 °C und gilt, wenn innen

θ

i

= 20 °C und außen

θ

e

= -5 °C angesetzt

werden. Dieser Nachweis erfordert höhere Übergangswiderstände als in Tabelle 1 angegeben. Der Temperaturfaktor f

Rsi

berechnet

sich wie folgt:

f

Rsi

=

θ

si

 –

θ

e

θ

i

 –

θ

e

Alle in DIN 4108, Beiblatt 2 aufgeführten Konstruktionsdetails erfüllen den geforderten Mindestwärmeschutz, sodass kein gesonderter

Nachweis erforderlich ist. Gleiches gilt für Gebäudeecken, deren Einzelkomponenten den Mindestwärmeschutz nach Tabelle 1 erfüllen.

5.2.5

θ

i

Innenlufttemperatur

θ

e

Außenlufttemperatur

θ

si

Oberflächentemperatur