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Bautechnologie

Wärmeschutz

Energieeinsparverordnung EnEV 2014

5.2

5.2.6

Nachweis für Nichtwohngebäude

Nichtwohngebäude werden mit dem Referenzgebäudeverfahren nach DIN V 18599 nachgewiesen. Um Nichtwohngebäude zu

berechnen, werden sie in Zonen unterteilt, die sich an der Innenraumtemperatur und an den Nutzungsunterschieden ausrichten.

Zonen mit Innenraumtemperaturen größer oder gleich 19°C unterliegen schärferen Anforderungen an die U-Werte der einzelnen

Bauteile als solche mit Innenraumtemperaturen zwischen 12 und

<

19 °C. Durch die unterschiedlichen Temperaturen in den ein-

zelnen Zonen ergeben sich zonenweise Primärenergiebedarfe, die in der Summe den Gesamtenergiebedarf des Nichtwohngebäu-

des darstellen.

Das aktuelle Normenkonzept der DIN V 18599 berücksichtigt sowohl Energieströme für die Klimatisierung und das Warmwasser

als auch den Energiebedarf für die Beleuchtung – im Einzelnen im Energieausweis dargestellt. Bei gewerblichen Verkaufs- und

Vermietungsanzeigen sind die energetischen Kennwerte des Gebäudes anzugeben. Anders als bei Wohngebäuden ist eine Angabe

des Endenergiebedarfs für Wärme und Strom erforderlich.

Auch der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 ist ein notwendiger Bestandteil der energetischen Gebäudeplanung. So-

wohl die Bestimmungen zur Belichtung von Arbeitsflächen als auch die moderne Architektur erfordern hier in vielen Fällen den

Gebäudenachweis mit einer dynamisch-thermischen Simulationsrechnung. Dabei gilt: In Nichtwohngebäuden ist die Zahl der Über-

gradtemperaturstunden mit 500 h/a deutlich geringer als in Wohngebäuden. Für ein behagliches Raumklima in Büroräumen und

an Arbeitsplätzen sind daher häufig zusätzliche Sonnenschutzmaßnahmen erforderlich. Diese sind einfacher und wirtschaftlicher

zu errichten als aktive Kühlsysteme und Klimaanlagen. Denn die Kühlung eines Gebäudes verbraucht in der Regel mehr Energie

als seine Beheizung, was sich wiederum auf die Betriebskosten auswirkt.

Die EnEV 2014 sieht auch bei den Nichtwohngebäuden eine Verschärfung der Anforderungen seit dem 1.1.2016 vor. Hier gilt es,

analog zu den Nutzungsarten den jeweiligen Energiebedarf aus wirtschaftlicher Sicht entsprechend abzusenken. Tatsächlich

werden die Anforderungen an den Energiebedarf bei Bürogebäuden im gleichen Maße wie bei Wohngebäuden verschärft, während

beispielsweise die Gebäudehülle bei Hallenbauten entsprechend der vorgesehenen Nutzung angepasst wird.

Modernisierung von Wohngebäuden

In Deutschland finden sich überdurchschnittlich viele Wohneinheiten, die aufgrund ihres Entstehungsdatums sowohl einen

schlechten bis mangelhaften Wärmeschutz als auch eine veraltete Anlagentechnik aufweisen. Die Folge: erhöhte Energieaufwen-

dungen im Winter und bisweilen unerträgliche Wohnzustände in heißen Sommermonaten, die nur durch energieintensive Kühl-

maßnahmen zu verbessern sind.

In der EnEV 2014 sind sowohl die Anforderungen bei Änderungen und Erweiterungen von Gebäuden als auch die Pflichten

zu ihrer Nachrüstung festgelegt. Jede Art der energetischen Sanierung eines Gebäudes – ob bei der wärmeübertragenden Um­

fassungsfläche oder bei der Gebäudetechnik – senkt die Heizkosten, optimiert den Klimaschutz und erhöht den Zeitwert. Jede

Modernisierung trägt außerdem zu mehr Wohnbehaglichkeit bei und macht Bestandsgebäude wieder attraktiv – sowohl für

Eigentümer als auch für potenzielle Mieter.

Planer erhalten mit der EnEV 2014 mehr Sicherheit bei der Planung energetischer Maßnahmen im Bereich der Gebäudesanierung,

da die Novellierung endlich zahlreiche Details klärt, die seit 2009 immer wieder unterschiedlich ausgelegt wurden. Daher muss sich

der Planer nun innerhalb der Modernisierung intensiv mit der EnEV 2014 auseinandersetzen, da die Kombination aus Einzelmaß­

nahmen und Gesamtmaßnahmen im Energieausweis beschrieben und unter wirtschaftlichen Aspekten bewertet werden muss.

Dabei kann zwischen Nachrüstpflichten und wirtschaftlich vertretbaren Sanierungsmaßnahmen unterschieden werden.

Planer können im Rahmen der Modernisierung zwischen dem recht einfachen Bauteilverfahren oder dem aufwendigeren detaillierten

Nachweisverfahren wählen. Handelt es sich bei der Modernisierung auch um eine Erweiterung mit über 50 m² hinzukommender

Nutzfläche, ist hier zu prüfen, ob ein neuer Wärmeerzeuger eingebaut wird. Denn nur dann gelten dafür die Neubauanforderungen.

Ansonsten kann der Nachweis auch nach dem Bauteil- oder Referenzgebäudeverfahren für die Modernisierung geführt werden.

Die bauteilbezogene Betrachtung stellt Anforderungen an die einzelnen Bauteile nach Tabellenwerten aus Anlage 3, Tabelle 1 zur

EnEV. Die darin enthaltenen Werte gelten stets in Kombination mit weiteren Bestimmungen aus Anlage 3 der EnEV 2014.