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Bautechnologie

Klimabedingter Feuchteschutz

5.3

Bautechnologie

Der klimabedingte Feuchteschutz hat das Ziel, Gebäude und Bauteile vor unzulässiger Feuchteeinwirkung von innen und außen

zu schützen. Dabei unterscheidet man verschiedene Feuchteeinwirkungen, da Feuchtigkeit sowohl über das Erdreich oder durch

Schlagregen als auch durch Dampfdiffusion oder -konvektion sowie durch erhöhte Produktionsfeuchte beim Bau eindringt.

5.3.1 Grundlagen des Feuchteschutzes

Bevor auf konkrete Maßnahmen zum Feuchteschutz und auf die unterschiedlichen Einwirkungsformen eingegangen wird, folgen

zunächst einige Grundlagen zum Thema.

Relative Luftfeuchte

Luft kann Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf aufnehmen, wobei die maximal aufnehmbare Menge mit der Temperatur steigt.

Der Zusammenhang ist exponentiell und wird als Sättigungsdampfdruckkurve über die, Temperatur aufgetragen (Abb. 1). Für viele

praktische Belange ist weniger die absolute Luftfeuchtigkeit entscheidend, als vielmehr der Relativwert aus absoluter Luftfeuch-

tigkeit, bezogen auf die bei gleicher Temperatur maximal mögliche Luftfeuchtigkeit. Dies ist die relative Luftfeuchtigkeit, häufig

mit

φ

bezeichnet und in Prozent angegeben.

Feuchtegehalt

Wie viel Wasser sich in einem Baustoff befindet, lässt sich

mit dem Feuchtegehalt u ermitteln. Hierfür ist sowohl das

Volumen als auch die Baustoffmasse als Bezugsgröße üblich,

sodass der Feuchtegehalt beispielsweise in kg Wasser (M

w

)

pro m³ Baustoff (V

m

) angegeben werden kann.

Ebenso üblich sind folgende Angaben: m³ Wasser pro m³ Bau-

stoff oder kg Wasser pro kg Baustoff oder diese multipliziert

mit 100, um Volumen- oder Masseprozent zu erfassen.

Der Umrechnungsfaktor für den volumenbezogenen Feuchte-

gehalt u

V

ist die Wasserdichte

ρ

w

, für den massebezogenen

Feuchtegehalt u

M

die Materialdichte

ρ

m

.

Abb. 1: Sättigungsdampfdruck der Luft als Funktion

der Temperatur

0

1.000

2.000

3.000

4.000

0

10

20

30

-10

°C

Pa

Temperatur

Dampfdruck

Feuchtespeicherung und Ausgleichsfeuchte

Baustoffe können Feuchtigkeit aufnehmen und sie an den Innenoberflächen der Porenstruktur lagern (Sorption oder Feuchte­

speicherung). Erhöht sich die relative Luftfeuchte der Umgebungsluft, nehmen Baustoffe mehr Feuchtigkeit auf und speichern sie. Sinkt die relative Luftfeuchte, geben sie die überschüssige Feuchtigkeit wieder ab. Aus diesem Prozess ergibt sich die Feuchte­

speicherfunktion oder Sorptionsisotherme – eine Materialeigenschaft, die den im Gleichgewicht befindlichen Feuchtegehalt als

Funktion der relativen Luftfeuchte bei konstanter Temperatur angibt. Dieser Zusammenhang schlägt sich in der sogenannten

Feuchtepufferwirkung nieder. Baustoffe, die im normalen Luftfeuchtebereich viel Feuchtigkeit speichern können, verfügen also auch

über eine gute Feuchtepufferwirkung. Sie können bei erhöhter Feuchtebelastung – wenn beispielsweise viele Menschen in einem Ver-

sammlungsraum zusammenkommen – die entstehende Feuchtigkeit aufnehmen und speichern. Ist die Belastung vorüber, geben die

Baustoffe die gespeicherte Feuchtigkeit wieder an die Raumluft ab, deren Feuchtigkeit damit auf einem behaglichen Niveau ver-

bleibt. Die Baustoffe wirken also raumklimaregulierend. Doch auch für den mittleren Feuchtegehalt (wie er unter Normalbedingun-

gen vorhanden ist) spielt die Feuchtespeicherfunktion der Wandbaustoffe eine Rolle (Ausgleichsfeuchte).