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Bautechnologie

Schallschutz

5.5

Bautechnologie

Ein guter Schallschutz ist für das Wohlbefinden der Gebäudenutzer ebenso wichtig, wie ein energetisch effizientes und komfor­

tabel temperiertes Innenklima und eine sichere Konstruktion. Daher gilt es, den Schutz vor unzumutbarer Geräuschübertragung

aus fremden Gebäudebereichen – und natürlich auch von außen – sorgfältig zu planen; schließlich handelt es sich beim Schall-

schutz auch um einen wichtigen Gesundheitsaspekt.

Grundsätzlich befindet sich die Schallschutzbemessung im Umbruch: Im Juli 2016 wurde die neue DIN 4109 "Schallschutz im Hoch-

bau" veröffentlicht und wird voraussichtlich mit der M VVTB 2017 (Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen) bauauf-

sichtlich eingeführt. Sie löst nach ca. 27 Jahren die bis dahin gültige Norm aus dem Jahr 1989 ab. Durch die Einführung neuer

Rechenverfahren auf Basis europäischer Normung lässt sich der Schallschutz nun sicherer prognostizieren als bisher.

Änderungen in der neuen Ausgabe der DIN 4109

Bislang wurde der Schallschutznachweis nach Beiblatt 1 zu DIN 4109:1989 durchgeführt. Diese eher pauschale Bemessungsmetho-

de wird zukünftig durch die detailliertere Berechnung nach DIN 4109-2 abgelöst. Folgende Parameter sind dann von Bedeutung:

n

die Trennfläche zwischen Sende- und Empfangsraum

n

die Kantenlängen zwischen dem trennenden und dessen flankierenden Bauteil

n

das bewertete Schalldämm-Maß des trennenden Bauteils ohne flankierende Bauteile

n

die bewerteten Schalldämm-Maße der flankierenden Bauteile

n

die Stoßstellendämm-Maße der Raumkanten zwischen trennendem und flankierenden Bauteilen

Nachteil des neuen Verfahrens ist sicherlich der hohe Rechenaufwand, da selbst das „vereinfachte Verfahren“ nach EN 12354 zahlreiche

Angaben erfordert. Andererseits bildet dieses neue Verfahren die Realität besser ab und macht Schwächen in der Konstruktion sichtbar.

So können bereits in der Planungsphase gezielte Maßnahmen getroffen werden, um Schallübertragungen über einzelne Schallneben-

wege zu reduzieren bzw. das trennende Bauteil gegebenenfalls zu ertüchtigen. Mit dem detaillierten Verfahren nach EN 12354 sind so-

gar frequenzabhängige Berechnungen möglich, wobei selbstverständlich für alle oben genannten Parameter diese frequenzabhängigen

Angaben erforderlich sind.

Allgemeine Anforderungen an den Schallschutz

Warum es Schallschutzanforderungen überhaupt gibt, ist schnell erklärt: Dauerhafter Lärmmacht schlichtweg krank. Der Mensch muss

also in seiner Wohnung vor unzumutbarer Geräuschbelastung von außen sowie aus Nachbarwohnungen geschützt werden. Immerhin ist

der Wohnraum individueller Rückzugsraum zur Entspannung und Erholung – ein Raum zum Schutze der Privatsphäre. Gespräche oder

Tätigkeiten in den „eigenen vier Wänden“ gehen den Nachbarn nichts an – wobei wir an dieser Stelle darauf hinweisen möchten, dass sich

insbesondere im Mehrgeschossbau eine Geräuschübertragung mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht komplett vermeiden lässt.

Auch ein höheres, strengeres Anforderungsniveau, als es die DIN 4109 mindestens fordert, schließt störende Geräuschübertragungen

nicht automatisch aus und verlangt stattdessen von den Bewohnern eines Mehrgeschossbaus die gegenseitige Rücksichtnahme. So

schützen Schallschutzanforderungen nach der DIN 4109 den Menschen zwar in Aufenthaltsräumen vor unzumutbarer Schallüber­

tragung, können jedoch nicht verhindern, dass Geräusche von außen oder aus Nachbarräumen wahrgenommen werden. Wird in einem

Bau- oder Kaufvertrag jedoch direkt oder indirekt ein höheres Schallschutzniveau in Aussicht gestellt, hat der Käufer, Mieter oder

Nutzer zivilrechtlich auch einen Anspruch auf diese bessere Leistung. „Direkt“ bedeutet, dass im Vertrag eindeutige Zahlenwerte zum

Schallschutzniveau vereinbart werden. „Indirekt“ bedeutet, es können aus Verträgen oder objektbezogenen Werbeunterlagen auch

dann höhere Anforderungen abgeleitet werden, wenn das gesamte Komfortniveau aufgrund der Gebäudelage oder -ausstattung an­

gehoben ist, oder das Objekt beispielsweise als „Komfortwohnung“ oder „Luxusgebäude“ beworben wird. Es bietet sich also an, neben

weiteren Randbedingungen den sogenannten Grundgeräuschpegel als Orientierungswert zu nutzen. So empfindet der Bewohner in

einer sehr ruhigen Gegend eine fröhliche Skatrunde in der Nachbarwohnung bereits als störend. Liegt der Grundgeräuschpegel jedoch

höher (z.B. in einer Großstadt mit erheblichem Außenlärm oder durch spielende Kinder in der eigenen Wohnung), werden Geräusche

aus dem Nachbarbereich nicht mehr oder kaum noch wahrgenommen (Tabelle 1).

Im Herbst 2016 hat der Normenausschuss beschlossen, dass das Beiblatt 2 zu DIN 4109:1989 zunächst erhalten bleibt und nicht,

wie vielfach vermutet, zurückgezogen wird. Eine Überarbeitung dieses Normendokumentes soll in Kürze begonnen werden.

Neben der DIN 4109 stellen einige Interessengemeinschaften abweichende Anforderungen. Die VDI 4100:2012-10 beschreibt bereits

in der SSt I Anforderungen eines erhöhten Schallschutzes. Sollten sich die Vertragswerke auf die VDI 4100 beziehen, ist das Aus