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419

Bautechnologie

5

Schallschutz

5.5

Schallübertragung im Massivbau

In Gebäuden übertragen sich Geräusche von Raum zu Raum

durch Bauteilschwingungen. Dabei wird der Baukörper entweder

durch direkte Berührung zur Schwingung angeregt (Körper-

schall) oder indirekt durch die Schwingungen der angrenzenden

Luft (Luftschall). Die so angeregten Bauteile übertragen die

Schallwellen anschließend in angrenzende Gebäudebereiche.

Die dort wiederum abstrahlenden Bauteile regen nun die an­

grenzende Raumluft erneut zu Schwingungen an und produzie-

ren so Luftschall, den der Mensch über sein Gehör wahrnimmt.

Eine Sonderform des Körperschalls ist der Trittschall, der entsteht, wenn eine Person Decken- oder Treppenkonstruktionen be-

tritt. Die Schallübertragung zwischen Räumen findet im Massivbau aber nicht allein über ein trennendes Bauteil statt. Auch die

unmittelbar umgebenden Bauteile werden durch Luft- oder Körperschall zu Schwingungen angeregt und übertragen die Schall-

wellen in benachbarte Räume. Im Beispiel der Wohnungstrennwand stellt die angeschlossene Außenwand ebenso ein flankie-

rendes Bauteil dar wie die Innenwand und auch die jeweils die Geräusche übertragende Decken- und Fußbodenkonstruktion.

Grundsätzlich gilt für einschalige flankierende Bauteile: Je schwerer das Bauteil, desto besser ist die Schalldämmung (Abb. 1).

Schalldämmung

Die wichtigste Größe des baulichen Luftschallschutzes ist das

in Dezibel (dB) angegebene Schalldämm-Maß: Je höher die

Luftschalldämmung, desto besser ist der Schutz vor Geräusch­

übertragungen. Die Höhe des Schalldämm-Maßes hängt von

der Bauteilkonstruktion und den verwendeten Materialien ab,

wobei sich die Schalldämmung eines einschaligen Bauteils

im Wesentlichen aus seiner flächenbezogenen Masse (auch

Flächengewicht genannt) ergibt. Die Faustformel lautet: Je

höher das Flächengewicht, desto besser ist die Schalldäm-

mung. Dies gilt grundsätzlich für alle Baustoffe, wobei deren

Art bzw. Zusammensetzung ebenfalls die Höhe der Schalldäm-

mung beeinflusst. So erreicht eine Wand aus Ytong Porenbeton

dank der Porenstruktur gegenüber einer Stahlbetonwand mit

gleicher flächenbezogener Masse ein um bis zu 4 dB besseres

bewertetes Schalldämm-Maß.

Ein zuverlässiger Zusammenhang zwischen Flächengewicht

und Schalldämmung besteht allerdings nur bei homogenen

Baustoffen wie Kalksandstein oder Porenbeton, wohingegen

sich bei Wandbaustoffen mit filigranem Lochbild die Schalldämmung nicht zweifelsfrei aus der flächenbezogenen Masse ermit-

teln lässt. Die Resonanzen der dünnen Stege und Luftkammern im Material führen mitunter zu einer deutlich schlechteren

Schalldämmung. Prüfergebnisse verschiedener Institute bestätigen, dass der aus dem Flächengewicht gewonnene Rechenwert

der Schalldämmung bei diesen inhomogenen Materialien häufig weit über der Realität liegt.

Bei mehrschaligen Konstruktionen sind die Mechanismen bezüglich der Schalldämmung wesentlich komplexer und nicht nur

aus den Massen ableitbar. Hier entscheidet das schwingungstechnische Zusammenspiel aller Bauteilschalen abhängig u.a. von

Steifigkeit, Masse, Dicke und den Abständen zueinander. Ein Effekt, der bei massiven Außenwänden mit innen oder außen liegen-

der Wärmedämmung deutlich wird, da eine Wärmedämmung die Schalldämmung von Massivwänden erheblich verändern kann.

Der Grund: Durch den als Feder wirkenden Dämmstoff zwischen Tragwand und Putz können Resonanzen entstehen, die in be-

stimmten Frequenzbereichen die Schalldämmung verschlechtern. Derartige Wärmedämmungen können sich also sowohl auf

die Direktschalldämmung als auch auf die flankierende Schallübertragung auswirken.

Abb. 2: Bezugskurve für die Luftschalldämmung

nach DIN EN ISO 717-1

Schalldämm-Maß oder

Schallpegeldifferenz [dB]

Frequenz [Hz]

30

40

50

60

125 250 500 1.000 2.000

33

51

56

56

Abb. 1: Flankierende Schallübertragung im Massivbau

Grundriss

Schnitt

Prinzipdarstellung