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Bautechnologie

„biologisch“ zu bezeichnen. Auch reine Naturbaustoffe können biologisch bedenklich sein. So kann die in lehmhaltigen Produkten

oder magmatischen Gesteinen möglicherweise enthaltene natürliche Radioaktivität bei Verwendung in Innenräumen zu gesundheit-

lich bedenklichen Radonbelastungen führen. Eine Abgrenzung von natürlichen und biologischen Baustoffen muss daher immer um-

fassend im System für die vorgesehene Anwendung betrachtet werden.

Viele natürliche Baustoffe, die früher Verwendung fanden, werden aufgrund zahlreicher Materialdefizite heute kaum oder gar nicht

mehr genutzt. Typisches Beispiel: Früher wurden Lehm oder Lehmziegel für die Ausfachung von Fachwerkhäusern verwendet –

eine Technik, die heute noch in trockenen Gegenden Afrikas beim Bau von Hütten zum Einsatz kommt. Lehm ist jedoch ohne zu-

sätzliche Schutzmaßnahmen nicht witterungsbeständig und quillt bei eindringender Feuchtigkeit stark auf, kann vom Regen aus­

gewaschen werden und schwindet beim Austrocknen, was wiederum zu Rissen führt. Außerdem ist die Wärmedämmung von Lehm

eher gering. Zahlreiche Gründe, die die Baumeister vergangener Generationen dazu bewogen haben, den Lehm als Baustoff auf­

zugeben und auf „künstliche“ Baustoffe auszuweichen. Einer dieser „künstlichen“ Baustoffe ist der Ziegel. Heute besteht in unseren

Regionen ein solcher Ziegel nicht mehr ausschließlich aus gebranntem Lehm oder Ton. Weitere Stoffe und Zusätze sind hinzuge-

kommen, die die chemischen und physikalischen Eigenschaften moderner Ziegel den aktuellen Anforderungen angepasst haben.

Der Aspekt der Natürlichkeit moderner Ziegel innerhalb des Gesamtsystems sollte entsprechend bewertet werden.

Das heißt: Mit der Natur als Vorbild entstehen heute leistungsfähige Baustoffe, deren Begrifflichkeiten stets hinterfragt werden

müssen. Die strukturelle Umwandlung von naturnahen Rohstoffen in Baustoffe kann zwar auch in der Natur vorkommen, wird aber

durch die eingesetzten Prozesse qualitätsgerecht erreicht. Bestes Beispiel ist hier das im Porenbeton vorkommende Mineral

Tobermorit. Als vulkanisches und widerstandsfähiges Mineral ist es ein natürlicher Stoff, der in der Porenbetonproduktion durch

die Autoklavierung künstlich nachgestellt wird und u.a. die hohen Widerstandseigenschaften von Porenbeton prägt.

Die Beispiele zeigen, dass die Begriffe „biologische“ oder „natürliche“ Baustoffe allein nur geringe Aussagekraft besitzen. Aus dem

Blickwinkel der Wohngesundheit muss – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Verwendung bis hin zum Rückbau –

kritisch überprüft werden, ob Baustoffe Schadstoffe enthalten oder die Umwelt belasten.

So kommen bei der Herstellung von Ytong und Silka chemische

Prozesse zum Einsatz, die aus den natürlichen Rohstoffen

naturnahe Baustoffe entstehen lassen. Genauer handelt es

sich um chemische Reaktionen zwischen rein natürlichen

Elementen, künstliche Stoffe werden Ytong Porenbeton und

Silka Kalksandstein nicht beigefügt. Konkret ergibt sich hier fol-

gendes Bild:

n

Für Silka: Sand, Branntkalk und Wasser. Die chemische

Zusammensetzung erfolgt aus Kieselsäure, Calciumoxid

und Wasser (SiO

2

, CaO, H

2

O).

n

Für Ytong: Sand, Branntkalk, Portlandzement und Wasser.

Der Portlandzement wiederum wird aus Kalk, Ton und

Mergel hergestellt, die Poren entstehen durch eine Reaktion

von Aluminium mit Branntkalk und Wasser. Chemisch be-

trachtet handelt es sich beim Porenbeton um eine Verbindung

aus Kieselsäure, Calciumoxid, Aluminiumoxid und Wasser

(SiO

2

, CaO, Al

2

O

3

, H

2

O).

Ytong Porenbeton und Silka Kalksandstein werden aus natürlichen Rohstoffen der Erdkruste hergestellt und sind somit ökologische

Baustoffe. Sie bestehen im Wesentlichen aus Sand, Kalk und Wasser – also aus vollkommen natürlichen und mineralischen

Rohstoffen, die frei von Chemikalien sind. Diese Rohstoffe stehen nahezu unbegrenzt zur Verfügung (Abbildung 1) und werden so

abgebaut, dass die Natur nicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Nachhaltigkeit

Ökologie

5.7

5.7.1

Abb. 1: Stoffliche Zusammensetzung der Erdkruste