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Wandbaustoffe

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Planung und Konstruktionsbeispiele Außenwände

Zweischaliges Mauerwerk

3.1

3.1.3

begrenzt – dazwischen liegt der

Dämmstoff. Bauaufsichtlich zuge­

lassene Verbindungsmittel erlauben

einen bis auf 250 mm vergrößerten

Schalenabstand, der mit den han-

delsüblichen Dämmstoffen (zum

Beispiel aus Mineralwolle) alle Anfor-

derungen an hochenergetisches

Bauen erfüllt. Neuartige Dämm-

stoffe mit verbesserten -Werten

führen bei zweischaligem Mauer-

werk zu Passivhaus-tauglichen

U-Werten von 0,15 W/(m²K).

Übliche U-Werte für zweischalige

Außenmauern liegen zwischen

0,18 und 0,28 W/(m²K), die Dämm-

stoffdicke hängt u. a. von der Innen­

schale ab und ist zwischen 10 und

14 cm breit. So können Planer Ver-

bindungsmittel zwischen der Außen-

und der Innenschale normgerecht

wählen und müssen keine Sonder­

regelungen aus den allgemeinen

bauaufsichtlichen Zulassungen für

Verankerungsmittel beachten.

Verankerung der Vorsatzschale mit

dem tragenden Mauerwerk

Die Vorsatzschale hat zwar keine

tragende Funktion, ist aber mittels

nicht rostender Drahtanker mit der

tragenden Mauerwerksschale ver-

bunden und leitet so Winddruck-

und Windsogkräfte ab. Es steht eine

Vielzahl an Ankern zur Verfügung,

die Windkräfte von der Größe von

1 kN bei 1,0 mm Schlupf aufneh-

men können. Dabei muss die nor-

mativ geregelte Anzahl an Mauer-

werksankern eingebaut werden.

Und: Grundsätzlich unterscheidet

man zwischen der geschlossenen

Wandfläche und Öffnungsrändern

sowie Eckbereichen. Ausführungen

mit Dünnbettmörtel und groß­

formatiges Hintermauerwerk

verlangen auf sie abgestimmte

Drahtanker, deren Einbau von

bauaufsichtlichen Regeln definiert

wird. Drahtanker in Form von zuge-

lassenen Dübelankern lassen sich

übrigens auch nachträglich in die

tragende Innenschale einbauen.

Zweifellos durchdringen die Veran-

kerungsmittel die Dämmung und

beeinflussen den Wärmeschutz.

Nach DIN EN ISO 6946 ist jedoch

nur dann eine Korrektur notwendig,

wenn der Einfluss der Verankerungs-

mittel mehr als 3% vom U-Wert der

Wandkonstruktion abweicht.

Einsatz von zweischaligem

Mauerwerk bei erhöhten

Schallschutzanforderungen

Für Bereiche mit einer erhöhten

Schallschutzanforderung eignet sich

zweischaliges Mauerwerk mit einer

weichen Dämmstoffschicht beson-

ders gut. Die Summe der flächen­

bezogenen Masse für das Hinter­

mauerwerk und die Vorsatzschale

ergibt das Schalldämm-Maß – zuzüg-

Wandaufbau zweischaliges Mauerwerk

lich eines Zuschlags von 5 dB für einen

biegeweichen Dämmstoff. Möglich sind

Schalldämm-Maße bis zu 65 dB, die

eine sorgfältige Ausführung sowie

abgestimmte Details von Fenstern

und Anschlussfugen voraussetzen.

Bei Doppel- und Reihenhäusern

müssen die Verblendschale und die

Haustrennwand durch eine Deh-

nungsfuge entkoppelt werden. Es

empfiehlt sich, diese Fuge plane-

risch wie einen freien Rand im Ge-

bäude zu betrachten und die Anzahl

der Verankerungsmittel entspre-

chend anzupassen.

Höhere Erstinvestitionen in zwei­

schaliges Mauerwerk rechnen sich

Aufgrund langlebiger Fassaden und

eines geringen Wartungsaufwands

machen sich zweischalige Mauer-

werke auf Dauer bezahlt. Die iso-

lierte Betrachtung der Erstinvesti­

tionen verdeckt mitunter den Blick

auf das echte Einsparpotenzial.

Tatsächlich resultieren die höheren

Erstellungskosten aus dem zwei­

fachen Aufwand der Mauerarbeiten

gegenüber einer einfachen Ausfüh-

rung. Aber: Wartungs- und Instand-

haltungskosten entfallen bei einer

Vorsatzschale – genau hier greift

für den Bauherrn die langfristige Ein-

sparung. Und viele alte Gebäude

in Norddeutschland belegen ein-

drucksvoll die Stabilität dieser zum

Teil über 100 Jahre alten Konstruk-

tionen und sehen dabei auch heute

noch sehr gut aus.