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Wandbaustoffe

Planung und Konstruktionsbeispiele Außenwände

Ausfachungswände

3.1

3.1.4

3.1.4

Ausfachungswände sind besondere

Außenwandkonstruktionen, die keine

Lasten aus angrenzenden Bauteilen

aufnehmen, sondern nur ihr Eigen-

gewicht sowie flächig wirkende hori-

zontale Lasten an statisch wirkende

Unterkonstruktionen ableiten. Diese

bestehen zumeist aus Stahlbeton-

oder Stahlbauteilen, seltener aus

Holzkonstruktionen oder traditio-

nellem Holzfachwerk. Doch wie

auch immer sie im Detail gefertigt

sind: Ausfachungswände stehen an-

deren Außenwänden planerisch und

gestalterisch in nichts nach. Stim-

men die notwendigen Rahmen­

bedingungen, lassen sich sowohl

monolithische Wände als auch

Funktionswände und zweischalige

Wandkonstruktionen schnell und

einfach realisieren.

Hält man sich dabei an die gültige

Bemessungsnorm für den Mauer-

werksbau DIN EN 1996 und ggf. an

die allgemeinen bauaufsichtlichen

Zulassungen, ist ein statischer

Nachweis meist nicht nötig. So las-

sen sich Ausfachungswände ohne

Nachweis einfach aus Steinen mit

einer Steindruckfestigkeitsklasse

4 und mit Normalmörtel der Mörtel­

gruppe IIa bzw. III oder mit Dünn-

bettmörtel aufmauern. Dabei halten

Verzahnungen oder geeignete feste

und gleitende Anschlüsse die Wände

vierseitig. Ausfachungswände ohne

rechnerischen Nachweis dürfen

bis zu den Grenzwerten aus der

DIN EN 1996-3/NA, Anhang NA.C

(siehe Tabelle 1) ausgeführt werden,

für alle anderen ausfachenden

Wandkonstruktionen sind sowohl

die Standsicherheit als auch die

Halterungen nachzuweisen.

Ausfachungswände aus normgere-

gelten Steinprodukten sind plane-

risch einfach zu berücksichtigen,

sollten jedoch mit einem Statiker

abgestimmt werden, da die Ausfüh-

rungsregelungen der DIN EN 1996

bei einer größeren Wandöffnung

nur noch eingeschränkt anwendbar

sind. Eine statische Berechnung ist

außerdem dann notwendig, wenn

das Ausfachungsmauerwerk am

oberen Rand keinen ausreichenden

Halt hat. Statische Nachweise er-

lauben überdies alternative Wand-

dicken und Mauerwerksgüten.

Als Grundlage für eine sichere

Gebäudekonstruktion sollten auch

konstruktive Vorgaben zu den An-

schlüssen rechtzeitig feststehen.

Es ist zu überlegen, ob eine Aus­

fachungswand zusätzliche Lasten

aus darüberliegenden Konstruk­

tionen erhalten kann – denn Mau-

erwerk ist bestens dazu geeignet,

Lasten aufzunehmen und sie verti-

kal umzuleiten. Höher belastetes

Mauerwerk besitzt darüber hinaus

bessere Trageigenschaften und

ist damit auch wirtschaftlich eine

sinnvolle Wahl.

Ausfachungswände

Ausfachung für Stahl-/Stahlbetonskelettbauten

Schnelle und einfache Realisierung

Statischer Nachweis ist meist nicht nötig