Standpunkt Bau: standardisierter Wohnungsbau

Mit standardisierten Bauweisen gegen Wohnungsnot – Architektur aus dem Baukasten

Mit standardisierten Bauweisen gegen Wohnungsnot

Wer hätte das gedacht! Standardisiertes Bauen könnte die Lösung dringlicher Wohnungsprobleme sein. Und das in einer Zeit, in der Individualsierung in allen Lebensbereichen Einzug gehalten hat! Nicht die Einzelarchitektur mit ihren zahlreichen Gewerken, sondern das Bauen mit geringem Planungsaufwand, optimalem Materialeinsatz, effizienter Logistik und günstiger Massenfertigung in dennoch hoher und langlebiger Qualität ist das Gebot der Stunde. Aber der Reihe nach.

Nicht erst durch die dramatisch ansteigenden Flüchtlingszahlen herrscht in Deutschland ein großes Defizit an bezahlbarem Wohnraum. Laut aktuellen Untersuchungen des Pestel-Instituts in Hannover müssten hierzulande bis zum Jahr 2020 rund 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden – das wären etwa 140.000 Wohnungseinheiten beziehungsweise über 50 Prozent mehr, als voraussichtlich im Jahr 2015 fertiggestellt werden. Der Wohnungsneubau steht damit vor einer enormen Herausforderung.

Die positive Entwicklung der Baugenehmigungen spiegelt sich im erhöhten Auftragsbestand. Es zeigt sich jedoch, dass der hohe Auftragsbestand nicht abgearbeitet werden kann. Denn die Arbeitsstunden der Bauausführenden steigen seit Jahren nicht im gleichen Ausmaß an. Anders ausgedrückt: wer soll diese enorme Anzahl an Wohnungen bauen?

Der jetzt schon bestehende Mangel an Fachkräften im Bauhauptgewerbe dürfte diese Situation noch verschärfen. Eine Lösung wäre, Arbeitskräfte aus den Reihen der zuwandernden Flüchtlinge zu rekrutieren. Aber auf kurzfristige Aushilfe darf auch hier nicht gehofft werden. Denn ohne Arbeitserlaubnis dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten und keine Ausbildung absolvieren. Für Asylsuchende und Geduldete ist die Arbeit in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts ganz verboten. Auch danach haben sie nur schlechte Chancen auf einen Job, weil es "bevorrechtigte Arbeitnehmer" gibt. Dies sind Deutsche, aber auch EU-Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge. Erst nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland dürfen Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge ohne die oben genannten Einschränkungen arbeiten.

Die alarmierenden Zahlen zeigen: Es müssen Lösungen geschaffen werden – allen voran von der Politik. Die Mauerwerkindustrie ist gut aufgestellt und steht mit kurzfristig zu realisierenden Lösungen bereit. Bereits in der Boomphase nach der Wiedervereinigung sind in den Spitzenjahren über 400.000 Wohnungseinheiten pro Jahr mit Mauerwerk errichtet worden. Dabei kamen auch verstärkt sehr rationelle Bauweisen mit großformatigen, bereits im Werk vorkonfektionierten oder geschosshohen Wandelemente zum Einsatz.

Diesen Bauweisen ist eine hohe Standardisierung im Sinne industrieller Bauweisen gemein. Eigentlich kein neuer Gedanke, denn beispielsweise Le Cobusier hat mit dem "Dom-ino-Prinzip" bereist in den 20er Jahren Architekturgeschichte geschrieben. Die Idee dahinter: industrielle Serienfertigung von Häusern (in Stahlbeton-Skelettbauweise) aus vorgefertigten Teilen. Seit 1950 wurden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ca. 3 Millionen Plattenbauwohnungen in industrieller Bauweise errichtet – in bescheidenem architektonischem Anspruch und in geringer Ausführungsqualität. Die Industrialisierung des Bauens wurde als einzig gangbarer Weg zur Realisierung des sozialen Wohnungsbaus von Moskau vorgezeichnet. Sie begründete sich aus der Notwendigkeit, die Wohnungsnot zu beheben.

Bei Ytong stehen großformatige, geschosshohe und bereits im Werk vorkonfektionierte Mauerelementenzur Verfügung. Das System ist besonders für Bauvorhaben geeignet, bei denen große tragende Wandflächen schnell und arbeitssparend errichtet werden müssen. Durch das geschosshohe Format, die schnelle Verarbeitung und die Standardisierung von Abläufen, verkürzt das Ytong System die Bauzeit auf 11 Minuten pro Quadratmeter Wandfläche. Das spart jede Menge Arbeitsaufwand und in Folge auch dringend benötigte Kapazitäten im bauausführenden Gewerbe, ohne Abstriche bei der massiven Rohbau-Qualität zu machen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: die Wände aus Ytong Systemwandelementen für ein Geschoss eines Dreispänners mit einer Wandfläche von 225 Quadratmetern werden von nur zwei Monteuren und einem Kranfahrer in gerade mal zwei Arbeitstagen errichtet – Rekord!

Bei der ganzheitlichen Betrachtung des Bauprozesses hat die Bauzeitverkürzung also einen erheblichen Einfluss sowohl auf die gesamten Baukosten sowie auf die höhere Produktivität. Die Montage erfolgt relativ wetterunabhängig. Die Baustelleneinrichtung wird auf ein Minimum reduziert und der Baubeginn kann flexibel an die Anforderungen des Auftraggebers angepasst werden. Durch den Einsatz von Elementen ist es möglich, den Bauzeitenplan einzuhalten damit Nachfolgegewerke ablaufsicher organisiert werden können. Der Transport der Mauertafeln erfolgt Just in Time mit selbstentladenden Transportfahrzeugen.

Das Ytong System verdeutlicht, dass die Mauerwerksindustrie bereit ist, sich den notwendigen Veränderungen hin zu mehr Wohnraum im Mehrgeschossbau zu stellen. Und funktionierende Lösungen anzubieten. Wer hätte das also gedacht! Standardisiertes Bauen mit vorgefertigten Teilen kann mal wieder wesentlich dazu beitragen, dringend benötigten Wohnraum in hoher Qualität zu schaffen. Auch mit den jetzt vorhandenen Produktions- und Arbeitskapazitäten! Eine Standardisierung wiederkehrender Abläufe schafft also in vielen Bereichen neue Potentiale. Für Architekten, Investoren und Bauherren bedeutet Standardisierung in diesem Kontext ein höheres Maß an Wirtschaftlichkeit. Es sind Bauweisen gefragt, die zeitlich und monetär einfach zu kalkulieren sind und sowohl funktional als auch architektonisch überzeugen. Das Versprechen einer preiswerten und gleichzeitig gestalterisch anspruchsvollen Architektur durch den intelligenten Einsatz von Standardisierung macht den Systembau heute wieder attraktiv. Der architektonischen Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Mit modularen Systemen lässt sich moderner Lebensraum effizient, zeitsparend und kostengünstig erstellen – ohne gestalterische Kompromisse. Die räumliche Einheit von Ästhetik und Funktion, von industrieller Standardisierung und Individualität, die den Mensch in den Mittelpunkt stellt, muss dabei der Leitgedanke sein.

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